Alles aus einer Hand

Gedanken zur Zukunft des Kanzleimarkts

© Ridofranz / thinkstock
April 18, 2016
Mathias Oberndörfer
Geschäftsführer KPMG Law
KPMG

Multidisziplinäre Angebote werden in den nächsten Jahren den Kanzleimarkt nachhaltig verändern. Die Verbindung von rechtlicher und wirtschaftlicher Expertise in einer schlagkräftigen Einheit bietet Effizienz- und Kostenvorteile sowie Planungssicherheit sowohl für die Privatwirtschaft als auch den öffentlichen Sektor. One-Stop-Shopping wird deshalb in Zukunft ein entscheidender Faktor bei der Kanzleiwahl.

Nehmen wir an, der Omnibus-Fuhrpark eines großen städtischen Verkehrsunternehmens in Deutschland sei in die Jahre gekommen. Es benötigt also neue Fahrzeuge. In einem derartigen Beschaffungsprojekt treffen viele Rechtsfragen aufeinander: Von der europaweiten Ausschreibung über Vertragsverhandlungen bis hin zu möglichen Vertragsstrafen oder Gewährleistungsansprüchen, um nur ein paar Stichpunkte zu nennen.

Doch dazu kommen mindestens ebenso viele Fragestellungen aus anderen Bereichen: Von Haushalts- und Budgetfragen über Prognosen zur Verkehrsentwicklung und Fahrgastaufkommen bis hin zur Akzeptanz verschiedener Busmodelle in der Bevölkerung. Eine Kanzlei stößt bei solchen Fragen schnell an ihre Grenzen. Unternehmen oder Behörden beauftragen häufig für die verschiedenen Projekte Anwälte und Unternehmens- oder Steuerberater parallel und gehen damit das Risiko ein, dass mangels Abstimmung einzelne Aspekte zwischen den verschiedenen Dienstleistern auf der Strecke bleiben. Es treten Reibungsverluste auf.

Knackpunkt: Planungs- und Kostensicherheit

Der Mandant oder Kunde liefert in diesem traditionellen Modell eine detaillierte Leistungsbeschreibung, mit der er alle Aspekte seines Projekts abzudecken versucht. Das klassische Pflichtenheft macht aber nicht nur eine Menge Arbeit, es birgt immer auch die Gefahr, dass einzelne Punkte übersehen werden. Solche Lücken fallen spätestens dann auf, wenn die Projektarbeit beginnt.

Das Gegenmodell ist eine output-spezifische Beauftragung, bei der das gewünschte Endprodukt definiert wird und der Auftragnehmer selbst die nötigen Schritte und Fachgebiete dafür festlegt. Im Englischen nennt man diesen Ansatz Multidisciplinary Practice, kurz: MDP. Hier arbeiten Juristen und Fachleute aus einzelnen Bereichen gemeinsam an spezifischen Kundenanforderungen und bringen ihre jeweilige Expertise ein, um ein Projekt nicht nur juristisch zu steuern, sondern komplett zu planen und umzusetzen. Eine MDP-Kanzlei fungiert gewissermaßen als Generalunternehmer, der alle nötigen Gewerke selbst an Bord hat.

Für Mandanten bedeutet das:

  • Planungssicherheit: Die Projektsteuerung und -umsetzung aus einer Hand sichert einerseits einen verlässlichen Kosten- und Zeitrahmen und sorgt andererseits dafür, dass kein Aspekt übersehen wird.
  • Effizienz: Reibungsverluste zwischen Fachleuten verschiedener Disziplinen werden vermieden, wenn die Zusammenarbeit vorstrukturiert ist und alle Teilprojekte zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmt sind.
  • Kosten: Eine MDP-Kanzlei wird oft in der Lage sein, das Gesamtpaket preiswerter anzubieten als eine Gruppe von Dienstleistern aus unterschiedlichen Fachbereichen kosten würde. Darüber hinaus bietet sie Kostensicherheit: Die Lösung aus einem Guss schließt Folgekosten aus, wenn etwa zwei verschiedene Teilprojekte sich später als nicht kompatibel herausstellen sollten. Das versetzt MDP-Kanzleien in die Lage, Pauschalpreise anzubieten.

Neue Dienstleistungen und neue Technologien

Der MDP-Ansatz wird zu ganz neuen Dienstleistungen führen, die jeweils die rechtliche und die wirtschaftliche Seite einer spezifischen Aufgabenstellung ansprechen.

Beispiel Deal Advisory: Unternehmenstransaktionen fordern ein korrektes Bild aller Ansprüche, Verbindlichkeiten und regulatorischer Anforderungen. Der MDP-Ansatz ermöglicht es, volle Transparenz über den Zustand von Assets und/oder das Bestehen oder Nichtbestehen von Ansprüchen zu schaffen.

Beispiel Compliance: Unternehmen müssen gesetzliche Haftung vermeiden, Verstöße verhindern oder aufdecken und sich gegen staatliche Stellen schützen. Ein MDP-Team kann die Compliance-Anforderungen eines globalen Konzerns mit allen Tochtergesellschaften und Beteiligungen erfassen und ihre Einhaltung sicherstellen.

Derartige umfangreiche Aufgaben stellen hohe Anforderungen an das Projektmanagement des beauftragten Teams. Hier kommen Legal-Tech-Ansätze zum Tragen, die solche Projekte handhabbar machen. Shared-Service-Center, Dokumentengeneratoren, vormodellierte Entscheidungspfade und andere Legal-Tech-Lösungen ermöglichen es den Fachleuten, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und das für den Kunden optimale Ergebnis zu erarbeiten.

Mathias Oberndörfer

ist Geschäftsführer der KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH „KPMG Law“. In seiner gleichzeitigen Funktion als Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sorgt er dafür, dass KPMG Law eng mit den Geschäftsbereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting sowie Deal Advisory der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zusammenarbeitet.

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Multidisziplinäre Angebote werden in den nächsten Jahren den Kanzleimarkt nachhaltig verändern. Die Verbindung von rechtlicher und wirtschaftlicher Expertise in einer schlagkräftigen Einheit bietet Effizienz- und Kostenvorteile sowie Planungssicherheit sowohl für die Privatwirtschaft als auch den öffentlichen Sektor. One-Stop-Shopping wird deshalb in Zukunft ein entscheidender Faktor bei der Kanzleiwahl.

Nehmen wir an, der Omnibus-Fuhrpark eines großen städtischen Verkehrsunternehmens in Deutschland sei in die Jahre gekommen. Es benötigt also neue Fahrzeuge. In einem derartigen Beschaffungsprojekt treffen viele Rechtsfragen aufeinander: Von der europaweiten Ausschreibung über Vertragsverhandlungen bis hin zu möglichen Vertragsstrafen oder Gewährleistungsansprüchen, um nur ein paar Stichpunkte zu nennen.

Doch dazu kommen mindestens ebenso viele Fragestellungen aus anderen Bereichen: Von Haushalts- und Budgetfragen über Prognosen zur Verkehrsentwicklung und Fahrgastaufkommen bis hin zur Akzeptanz verschiedener Busmodelle in der Bevölkerung. Eine Kanzlei stößt bei solchen Fragen schnell an ihre Grenzen. Unternehmen oder Behörden beauftragen häufig für die verschiedenen Projekte Anwälte und Unternehmens- oder Steuerberater parallel und gehen damit das Risiko ein, dass mangels Abstimmung einzelne Aspekte zwischen den verschiedenen Dienstleistern auf der Strecke bleiben. Es treten Reibungsverluste auf.

Knackpunkt: Planungs- und Kostensicherheit

Der Mandant oder Kunde liefert in diesem traditionellen Modell eine detaillierte Leistungsbeschreibung, mit der er alle Aspekte seines Projekts abzudecken versucht. Das klassische Pflichtenheft macht aber nicht nur eine Menge Arbeit, es birgt immer auch die Gefahr, dass einzelne Punkte übersehen werden. Solche Lücken fallen spätestens dann auf, wenn die Projektarbeit beginnt.

Das Gegenmodell ist eine output-spezifische Beauftragung, bei der das gewünschte Endprodukt definiert wird und der Auftragnehmer selbst die nötigen Schritte und Fachgebiete dafür festlegt. Im Englischen nennt man diesen Ansatz Multidisciplinary Practice, kurz: MDP. Hier arbeiten Juristen und Fachleute aus einzelnen Bereichen gemeinsam an spezifischen Kundenanforderungen und bringen ihre jeweilige Expertise ein, um ein Projekt nicht nur juristisch zu steuern, sondern komplett zu planen und umzusetzen. Eine MDP-Kanzlei fungiert gewissermaßen als Generalunternehmer, der alle nötigen Gewerke selbst an Bord hat.

Für Mandanten bedeutet das:

  • Planungssicherheit: Die Projektsteuerung und -umsetzung aus einer Hand sichert einerseits einen verlässlichen Kosten- und Zeitrahmen und sorgt andererseits dafür, dass kein Aspekt übersehen wird.
  • Effizienz: Reibungsverluste zwischen Fachleuten verschiedener Disziplinen werden vermieden, wenn die Zusammenarbeit vorstrukturiert ist und alle Teilprojekte zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmt sind.
  • Kosten: Eine MDP-Kanzlei wird oft in der Lage sein, das Gesamtpaket preiswerter anzubieten als eine Gruppe von Dienstleistern aus unterschiedlichen Fachbereichen kosten würde. Darüber hinaus bietet sie Kostensicherheit: Die Lösung aus einem Guss schließt Folgekosten aus, wenn etwa zwei verschiedene Teilprojekte sich später als nicht kompatibel herausstellen sollten. Das versetzt MDP-Kanzleien in die Lage, Pauschalpreise anzubieten.

Neue Dienstleistungen und neue Technologien

Der MDP-Ansatz wird zu ganz neuen Dienstleistungen führen, die jeweils die rechtliche und die wirtschaftliche Seite einer spezifischen Aufgabenstellung ansprechen.

Beispiel Deal Advisory: Unternehmenstransaktionen fordern ein korrektes Bild aller Ansprüche, Verbindlichkeiten und regulatorischer Anforderungen. Der MDP-Ansatz ermöglicht es, volle Transparenz über den Zustand von Assets und/oder das Bestehen oder Nichtbestehen von Ansprüchen zu schaffen.

Beispiel Compliance: Unternehmen müssen gesetzliche Haftung vermeiden, Verstöße verhindern oder aufdecken und sich gegen staatliche Stellen schützen. Ein MDP-Team kann die Compliance-Anforderungen eines globalen Konzerns mit allen Tochtergesellschaften und Beteiligungen erfassen und ihre Einhaltung sicherstellen.

Derartige umfangreiche Aufgaben stellen hohe Anforderungen an das Projektmanagement des beauftragten Teams. Hier kommen Legal-Tech-Ansätze zum Tragen, die solche Projekte handhabbar machen. Shared-Service-Center, Dokumentengeneratoren, vormodellierte Entscheidungspfade und andere Legal-Tech-Lösungen ermöglichen es den Fachleuten, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und das für den Kunden optimale Ergebnis zu erarbeiten.

Mathias Oberndörfer

ist Geschäftsführer der KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH „KPMG Law“. In seiner gleichzeitigen Funktion als Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sorgt er dafür, dass KPMG Law eng mit den Geschäftsbereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting sowie Deal Advisory der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zusammenarbeitet.

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