Audit of the future

Wirtschaftsprüfung plus

© hh5800 / istock
April 18, 2016
Ralf Gröning
Co-Managing Partner
Baker Tilly Roelfs

Globalisierung, Digitalisierung, weltweite Vernetzung, wachsender Wettbewerbsdruck, fortlaufende Veränderung rechtlicher Rahmenbedingungen und rasante soziodemografische Veränderungen in allen Teilen der Welt: Die Liste der Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen heutzutage konfrontiert sehen, ist lang. Wer auch morgen noch im Wettbewerb bestehen will, ist gefordert, sich stetig weiter zu entwickeln. Organisationen, Prozesse und Systeme müssen immer schneller, intelligenter und transparenter werden. Mit diesem Wandel verändern sich auch die Anforderungen, die Unternehmen an Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften stellen – was sofort die Frage aufwirft, ob man sie überhaupt noch so nennen mag. Denn von ihnen wird längst sehr viel mehr als das klassische Prüfungssiegel verlangt. Es ist die aus der Prüfung gewonnene tiefe Kenntnis aller Unternehmensprozesse, verbunden mit der verbrieften und vereidigten Objektivität des Berufsstandes Wirtschaftsprüfer, auf deren Basis Unternehmen eine durch und durch fundierte und nachhaltige Betreuung von Beratungsgesellschaften mit dem Kern Wirtschaftsprüfung erwarten: „Wirtschaftsprüfung plus“.

Entsprechend groß ist auch die Welle der Umwälzungen, die an vielen Stellen ein radikales Umdenken in den WP-Beratungsgesellschaften erfordert und nach einer weitsichtigen Transformation verlangt: Themen wie digitale Prüfung, Big Data, integrative und proaktive sowie ganzheitliche Beratung werden immer wichtiger. So ist das gesamte Berufsbild im Wandel begriffen. Prüfer müssen Businessmodelle verstehen, die sich immer schneller verändern. Sie müssen bei ihren Mandanten für den Fortbestand des Geschäftsbetriebs neuralgische Punkte ausmachen und bewerten und schließlich zusammen in eine verbindliche Zukunftsprognose einfließen lassen. Dabei lautet die zentrale Frage: Wie gelingt es dem Wirtschaftsprüfer, durch zusätzliche Beratungen Wettbewerbsvorteile für seine Mandanten zu generieren, ohne dass dabei seine neutrale und unabhängige Prüfung als Basis in irgendeiner Art und Weise in Frage gestellt werden kann. Welche Elemente gilt es also zu beachten, wenn es um eine erfolgsversprechende Zukunftsstrategie für Wirtschaftsprüfer geht?

Vom Prüfer zum integrierten Berater: Service-Portfolios auf dem Prüfstand

Im Bereich der klassischen Prüfung wird es auch in Zukunft schon aufgrund der engen rechtlichen Reglementierungen nicht viel Spielraum für etwaige Varianten oder Modifizierungen bestehender Angebote geben – umso bedeutsamer ist daher die Aufstellung bei der prüfungsnahen Beratung. Der Trend geht zu einer Verbreiterung des Serviceportfolios – wobei keinesfalls das Prüfungsgeschäft vernachlässigt werden sollte. Nur wer es versteht, die eigene Prüfungstätigkeit weiterhin hochprofessionell und effektiv zu verfolgen, kann sich parallel dazu auf die lukrativen prüfungsnahen Beratungsaufgaben konzentrieren. Beispiele für Bereiche mit vermeidlich hohen Wachstumspotenzial sind Steuergestaltung, Corporate Finance, Compliance Systeme oder Unternehmensbewertungen − dies alles mit zunehmend internationaler Perspektive. Die Konsequenz: In einer immer komplexeren Welt ist Spezialisten-Wissen gefragt, bei dem die Wirtschaftsprüfer das reine Prüfungsgeschäft als zuverlässige Expertise für Beratungsaufträge nutzen können. Auf diese Weise entwickelt sich der Prüfer zusätzlich zum integrierten Berater und ergänzt das „Ankergeschäft Prüfung“ durch Schwerpunkte prüfungsnaher oder gegebenenfalls auch -ferner Beratung. Durch ein gut organisiertes und professionelles Zusammenspiel von Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern- und Rechtsanwälten sowie Unternehmensberatern können Mandanten ganzheitliche Lösungen aus einer Hand angeboten werden. Eine Situation, von der beide Seite profitieren können.

Digitale Prüfung: Vom Prüfer zum Analysten

In den vergangenen Jahren hat sich die Wirtschaftsprüfung von der systematischen Aufnahme von Geschäftsprozessen und deren stichprobenbasierter Prüfung, über die Analyse mittels automatischer Kontrollen zu einer engmaschigen Prüfung komplexer Prozessflüsse und deren interner Kontrollsysteme entwickelt. Längst hat sich die Abschlussprüfung auf den Weg gemacht, digital zu werden. Es ist ein tiefgreifender Entwicklungsschub mit einer genauer Zielrichtung: Die Abschlussprüfung der Zukunft wird innovativer, automatisierter und effizienter. Zunehmende Vernetzung und exponentiell wachsende Datenbestände treiben den Wandel voran. Mittels moderner Data-Analytics-Verfahren lassen sich die von dem zu prüfenden Unternehmen zur Verfügung gestellten, zunehmenden Datenmengen strukturiert analysieren, visualisieren und wertvolle Informationen für das Prüfungsurteil generieren – und darüber hinaus. Der Prüfer wird zum Analysten, der die Zuverlässigkeit der digitalen Daten und Systeme beurteilt und so Risiken schneller erkennen kann. Anstatt einer Stichprobenprüfung, werden im digitalen Zeitalter mit entsprechenden Algorithmen ganze Datenbestände lückenlos auf Auffälligkeiten untersucht. Dies versetzt die Wirtschaftsprüfer in die Lage, nahezu ausnahmslos alle Risikoquellen im Rahmen der Prüfung erkennen zu können, Hinweise für Optimierungen zu geben, um diese idealerweise gleich gemeinsam mit dem Mandanten umsetzen zu können.

Die Digitalisierung der Prüfungs-Prozesse hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Durch die beschleunigte Datenanalyse werden Kapazitäten für andere „Mehrleistungen“ außerhalb der klassischen Prüfung geschaffen. Wem es gelingt, das Kerngeschäft der Prüfung – bei gleichbleibend hoher Qualität – durch einen geringeren Ressourceneinsatz weiterzuentwickeln, schafft Freiräume für neue Beratungsfelder.

Big Data und IT-Sicherheit

Big Data und Data Analytics gehören zu den großen Buzzwords unserer Zeit. Die Tatsache, dass man immer effizienter immer größere Datenmengen analysieren und mit den Resultaten immer zutreffendere Vorhersagen erstellen kann, wirbelt bereits ganze Geschäftsmodelle durcheinander. Auch für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind diese Themen zu gewichtigen Servicebausteinen avanciert – Tendenz weiter steigend.

Speziell für Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen geht es jedoch nicht nur um eine quantitativ hohe Masse an Daten, sondern vielmehr auch um eine logische und praxisorientierte Datenvernetzung. Nur wer es versteht, die gesammelten Informationen sinnvoll zu verbinden und hieraus die richtigen Handlungsempfehlungen abzuleiten, sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

In diesem Zusammenhang hat das Thema Datensicherheit natürlich eine enorm hohe Bedeutung. Durch ihren tiefgehenden Einblick in Finanzstrukturen sind Wirtschaftsprüfer die idealen Indikatoren, um Sicherheitslücken in Unternehmen aufzudecken. In (noch) zu vielen Unternehmen kommt der Schutz von sensiblen Daten erst auf die Agenda, wenn es bereits zu spät ist. Dabei können Wirtschaftsprüfer schon früh dabei behilflich sein, Lücken zu erkennen und idealerweise gleich zu schließen. Durch ihre Position sind sie meist in der Lage, erfolgreich zwischen der Geschäftsführung und den fachlich verantwortlichen Mitarbeitern zu vermitteln und können so dabei helfen, Risiken zu erkennen und abzustellen. Der Wirtschaftsprüfer kann beispielsweise ein IT-Sicherheitskonzept mit entwickeln oder das bestehende Sicherheitskonzept auf Schwachstellen überprüfen sowie beim Aufbau entsprechender zum Teil sogar vom Gesetzgeber geforderte IT-Compliance-Systeme unterstützten.

Blick über den Tellerrand

Der Wirtschaftsprüfer der Zukunft arbeitet sich nicht ausschließlich an Checklisten zur Abgabe eines erfolgreichen Testats ab. Vielmehr nutzt er seine exklusiven Einblicke, um seinen Mandanten in seiner gesamten Geschäftstätigkeit zu betrachten. In welchem Branchenumfeld bewegt er sich? Wer sind die wichtigsten Wettbewerber? Dies sind zentrale Fragen einer zeitgemäßen Prüfung. Im Idealfall kann der Prüfer durch dieses Wissen Querverbindungen zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen, Standorten oder anderen Marktsegmenten herstellen, die nicht nur ihm selbst bei der abzuschließenden Prüfung, sondern auch dem geprüften Unternehmen weiterhelfen. Mandanten wissen es in diesem Fall sehr zu schätzen, dass die gewonnenen Erkenntnisse mittels entsprechender Management Briefings proaktiv mit ihnen geteilt werden und nicht erst auf Nachfrage mitgeteilt werden. Und dies ist nicht zuletzt auch eine Mentalitätsfrage: Habe ich als Prüfer ausschließlich meinen enggefassten Prüfauftrag im Fokus, oder ist es auch mein Anspruch, links und rechts von der Prüfung das große Ganze im Blick zu haben? Eine Einstellung, die immer mehr Mandanten von ihren Abschlussprüfern fordern und voraussetzen.

Wirtschaftsprüfung plus

Steter Wandel und strukturelle Veränderungen erzeugen immer neue Herausforderungen für Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften. Sie müssen sich schon frühzeitig mit möglichen künftigen Entwicklungen beschäftigen, um gut vorbereitet in die Zukunft blicken zu können. Insbesondere durch moderne Informationstechnologie steigen die Möglichkeiten, elektronisch vorliegende Informationen automatisiert und somit effizient zu prüfen. Gleichzeitig gilt es für Unternehmen, für die neuen Risikofaktoren und Veränderungen im Kontrollumfeld der Unternehmen entsprechende Lösungen zu entwickeln. Wirtschaftsprüfer haben insbesondere IT-Advisory längst als neues Beratungsfeld für sich entdeckt: eine Entwicklung, die derzeit eine ganze Branche zu verändern scheint.

Doch allen Veränderungen, Hype-Themen und technologischen Fortschritten zum Trotz: Im Kern der Arbeit des Wirtschaftsprüfers muss und wird weiterhin das Prüfungsgeschäft stehen. Nur auf diesem festen Fundament – als wirklich unschlagbarer Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Strategie-, IT oder Finance-Beratern – lassen sich erfolgreich weitere Service-Leistungen auf- und ausbauen. Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen, die durch eine Fokussierung auf prüfungsnahe Beratungen ihr Kerngeschäft – die Prüfung – vernachlässigen oder ihren Nimbus als objektive, neutrale Instanzen gefährden, werden es in Zukunft sicherlich sehr schwer haben.

Ralf Gröning

ist Co-Managing Partner und Sprecher des Management Boards von Baker Tilly Roelfs. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind Jahresabschlussprüfungen und -erstellungen mittelgroßer bis großer Gesellschaften und börsennotierter Unternehmen sowie Unternehmensplanung und Unternehmensstrategie.

Globalisierung, Digitalisierung, weltweite Vernetzung, wachsender Wettbewerbsdruck, fortlaufende Veränderung rechtlicher Rahmenbedingungen und rasante soziodemografische Veränderungen in allen Teilen der Welt: Die Liste der Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen heutzutage konfrontiert sehen, ist lang. Wer auch morgen noch im Wettbewerb bestehen will, ist gefordert, sich stetig weiter zu entwickeln. Organisationen, Prozesse und Systeme müssen immer schneller, intelligenter und transparenter werden. Mit diesem Wandel verändern sich auch die Anforderungen, die Unternehmen an Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften stellen – was sofort die Frage aufwirft, ob man sie überhaupt noch so nennen mag. Denn von ihnen wird längst sehr viel mehr als das klassische Prüfungssiegel verlangt. Es ist die aus der Prüfung gewonnene tiefe Kenntnis aller Unternehmensprozesse, verbunden mit der verbrieften und vereidigten Objektivität des Berufsstandes Wirtschaftsprüfer, auf deren Basis Unternehmen eine durch und durch fundierte und nachhaltige Betreuung von Beratungsgesellschaften mit dem Kern Wirtschaftsprüfung erwarten: „Wirtschaftsprüfung plus“.

Entsprechend groß ist auch die Welle der Umwälzungen, die an vielen Stellen ein radikales Umdenken in den WP-Beratungsgesellschaften erfordert und nach einer weitsichtigen Transformation verlangt: Themen wie digitale Prüfung, Big Data, integrative und proaktive sowie ganzheitliche Beratung werden immer wichtiger. So ist das gesamte Berufsbild im Wandel begriffen. Prüfer müssen Businessmodelle verstehen, die sich immer schneller verändern. Sie müssen bei ihren Mandanten für den Fortbestand des Geschäftsbetriebs neuralgische Punkte ausmachen und bewerten und schließlich zusammen in eine verbindliche Zukunftsprognose einfließen lassen. Dabei lautet die zentrale Frage: Wie gelingt es dem Wirtschaftsprüfer, durch zusätzliche Beratungen Wettbewerbsvorteile für seine Mandanten zu generieren, ohne dass dabei seine neutrale und unabhängige Prüfung als Basis in irgendeiner Art und Weise in Frage gestellt werden kann. Welche Elemente gilt es also zu beachten, wenn es um eine erfolgsversprechende Zukunftsstrategie für Wirtschaftsprüfer geht?

Vom Prüfer zum integrierten Berater: Service-Portfolios auf dem Prüfstand

Im Bereich der klassischen Prüfung wird es auch in Zukunft schon aufgrund der engen rechtlichen Reglementierungen nicht viel Spielraum für etwaige Varianten oder Modifizierungen bestehender Angebote geben – umso bedeutsamer ist daher die Aufstellung bei der prüfungsnahen Beratung. Der Trend geht zu einer Verbreiterung des Serviceportfolios – wobei keinesfalls das Prüfungsgeschäft vernachlässigt werden sollte. Nur wer es versteht, die eigene Prüfungstätigkeit weiterhin hochprofessionell und effektiv zu verfolgen, kann sich parallel dazu auf die lukrativen prüfungsnahen Beratungsaufgaben konzentrieren. Beispiele für Bereiche mit vermeidlich hohen Wachstumspotenzial sind Steuergestaltung, Corporate Finance, Compliance Systeme oder Unternehmensbewertungen − dies alles mit zunehmend internationaler Perspektive. Die Konsequenz: In einer immer komplexeren Welt ist Spezialisten-Wissen gefragt, bei dem die Wirtschaftsprüfer das reine Prüfungsgeschäft als zuverlässige Expertise für Beratungsaufträge nutzen können. Auf diese Weise entwickelt sich der Prüfer zusätzlich zum integrierten Berater und ergänzt das „Ankergeschäft Prüfung“ durch Schwerpunkte prüfungsnaher oder gegebenenfalls auch -ferner Beratung. Durch ein gut organisiertes und professionelles Zusammenspiel von Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern- und Rechtsanwälten sowie Unternehmensberatern können Mandanten ganzheitliche Lösungen aus einer Hand angeboten werden. Eine Situation, von der beide Seite profitieren können.

Digitale Prüfung: Vom Prüfer zum Analysten

In den vergangenen Jahren hat sich die Wirtschaftsprüfung von der systematischen Aufnahme von Geschäftsprozessen und deren stichprobenbasierter Prüfung, über die Analyse mittels automatischer Kontrollen zu einer engmaschigen Prüfung komplexer Prozessflüsse und deren interner Kontrollsysteme entwickelt. Längst hat sich die Abschlussprüfung auf den Weg gemacht, digital zu werden. Es ist ein tiefgreifender Entwicklungsschub mit einer genauer Zielrichtung: Die Abschlussprüfung der Zukunft wird innovativer, automatisierter und effizienter. Zunehmende Vernetzung und exponentiell wachsende Datenbestände treiben den Wandel voran. Mittels moderner Data-Analytics-Verfahren lassen sich die von dem zu prüfenden Unternehmen zur Verfügung gestellten, zunehmenden Datenmengen strukturiert analysieren, visualisieren und wertvolle Informationen für das Prüfungsurteil generieren – und darüber hinaus. Der Prüfer wird zum Analysten, der die Zuverlässigkeit der digitalen Daten und Systeme beurteilt und so Risiken schneller erkennen kann. Anstatt einer Stichprobenprüfung, werden im digitalen Zeitalter mit entsprechenden Algorithmen ganze Datenbestände lückenlos auf Auffälligkeiten untersucht. Dies versetzt die Wirtschaftsprüfer in die Lage, nahezu ausnahmslos alle Risikoquellen im Rahmen der Prüfung erkennen zu können, Hinweise für Optimierungen zu geben, um diese idealerweise gleich gemeinsam mit dem Mandanten umsetzen zu können.

Die Digitalisierung der Prüfungs-Prozesse hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Durch die beschleunigte Datenanalyse werden Kapazitäten für andere „Mehrleistungen“ außerhalb der klassischen Prüfung geschaffen. Wem es gelingt, das Kerngeschäft der Prüfung – bei gleichbleibend hoher Qualität – durch einen geringeren Ressourceneinsatz weiterzuentwickeln, schafft Freiräume für neue Beratungsfelder.

Big Data und IT-Sicherheit

Big Data und Data Analytics gehören zu den großen Buzzwords unserer Zeit. Die Tatsache, dass man immer effizienter immer größere Datenmengen analysieren und mit den Resultaten immer zutreffendere Vorhersagen erstellen kann, wirbelt bereits ganze Geschäftsmodelle durcheinander. Auch für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind diese Themen zu gewichtigen Servicebausteinen avanciert – Tendenz weiter steigend.

Speziell für Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen geht es jedoch nicht nur um eine quantitativ hohe Masse an Daten, sondern vielmehr auch um eine logische und praxisorientierte Datenvernetzung. Nur wer es versteht, die gesammelten Informationen sinnvoll zu verbinden und hieraus die richtigen Handlungsempfehlungen abzuleiten, sichert sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

In diesem Zusammenhang hat das Thema Datensicherheit natürlich eine enorm hohe Bedeutung. Durch ihren tiefgehenden Einblick in Finanzstrukturen sind Wirtschaftsprüfer die idealen Indikatoren, um Sicherheitslücken in Unternehmen aufzudecken. In (noch) zu vielen Unternehmen kommt der Schutz von sensiblen Daten erst auf die Agenda, wenn es bereits zu spät ist. Dabei können Wirtschaftsprüfer schon früh dabei behilflich sein, Lücken zu erkennen und idealerweise gleich zu schließen. Durch ihre Position sind sie meist in der Lage, erfolgreich zwischen der Geschäftsführung und den fachlich verantwortlichen Mitarbeitern zu vermitteln und können so dabei helfen, Risiken zu erkennen und abzustellen. Der Wirtschaftsprüfer kann beispielsweise ein IT-Sicherheitskonzept mit entwickeln oder das bestehende Sicherheitskonzept auf Schwachstellen überprüfen sowie beim Aufbau entsprechender zum Teil sogar vom Gesetzgeber geforderte IT-Compliance-Systeme unterstützten.

Blick über den Tellerrand

Der Wirtschaftsprüfer der Zukunft arbeitet sich nicht ausschließlich an Checklisten zur Abgabe eines erfolgreichen Testats ab. Vielmehr nutzt er seine exklusiven Einblicke, um seinen Mandanten in seiner gesamten Geschäftstätigkeit zu betrachten. In welchem Branchenumfeld bewegt er sich? Wer sind die wichtigsten Wettbewerber? Dies sind zentrale Fragen einer zeitgemäßen Prüfung. Im Idealfall kann der Prüfer durch dieses Wissen Querverbindungen zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen, Standorten oder anderen Marktsegmenten herstellen, die nicht nur ihm selbst bei der abzuschließenden Prüfung, sondern auch dem geprüften Unternehmen weiterhelfen. Mandanten wissen es in diesem Fall sehr zu schätzen, dass die gewonnenen Erkenntnisse mittels entsprechender Management Briefings proaktiv mit ihnen geteilt werden und nicht erst auf Nachfrage mitgeteilt werden. Und dies ist nicht zuletzt auch eine Mentalitätsfrage: Habe ich als Prüfer ausschließlich meinen enggefassten Prüfauftrag im Fokus, oder ist es auch mein Anspruch, links und rechts von der Prüfung das große Ganze im Blick zu haben? Eine Einstellung, die immer mehr Mandanten von ihren Abschlussprüfern fordern und voraussetzen.

Wirtschaftsprüfung plus

Steter Wandel und strukturelle Veränderungen erzeugen immer neue Herausforderungen für Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften. Sie müssen sich schon frühzeitig mit möglichen künftigen Entwicklungen beschäftigen, um gut vorbereitet in die Zukunft blicken zu können. Insbesondere durch moderne Informationstechnologie steigen die Möglichkeiten, elektronisch vorliegende Informationen automatisiert und somit effizient zu prüfen. Gleichzeitig gilt es für Unternehmen, für die neuen Risikofaktoren und Veränderungen im Kontrollumfeld der Unternehmen entsprechende Lösungen zu entwickeln. Wirtschaftsprüfer haben insbesondere IT-Advisory längst als neues Beratungsfeld für sich entdeckt: eine Entwicklung, die derzeit eine ganze Branche zu verändern scheint.

Doch allen Veränderungen, Hype-Themen und technologischen Fortschritten zum Trotz: Im Kern der Arbeit des Wirtschaftsprüfers muss und wird weiterhin das Prüfungsgeschäft stehen. Nur auf diesem festen Fundament – als wirklich unschlagbarer Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Strategie-, IT oder Finance-Beratern – lassen sich erfolgreich weitere Service-Leistungen auf- und ausbauen. Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen, die durch eine Fokussierung auf prüfungsnahe Beratungen ihr Kerngeschäft – die Prüfung – vernachlässigen oder ihren Nimbus als objektive, neutrale Instanzen gefährden, werden es in Zukunft sicherlich sehr schwer haben.

Ralf Gröning

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