Der deutsche Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung

© vetkit / thinkstock
April 18, 2016
Dr. Heinz Streicher
Principal
Lünendonk & Hossenfelder
Ali Deveci
Manager
Lünendonk & Hossenfelder

Der Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung in Deutschland gehört zu den großen Business-to-Business-Dienstleistungsmärkten mit Milliarden-Euro-Volumen. Wegen der komplexen Leistungsstruktur der in diesem Marktsegment tätigen Anbieter besteht wenig Transparenz. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk, Mindelheim, führt deshalb seit einem Jahrzehnt jährlich eine umfangreiche Studie unter dem Titel »Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland« durch. Darin werden die 25 umsatzstärksten und weitere rund 50 mittelgroße und kleine WP-Gesellschaften sowie ergänzend eine Gruppe von WP-Netzwerken und -Allianzen analysiert.

‍Lünendonk®-Liste 2016: Führende Wirtschaftsprüfungs- und  Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland;  Quelle: Lünendonk GmbH

Die Kriterien für die Aufnahme in das veröffentlichte Ranking der Top 25 sind: mehr als 60 Prozent des Umsatzes werden mit Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung (ohne Steuerdeklaration und Buchhaltung),  Corporate Finance und/oder Rechtsberatung erzielt, davon entfallen mindestens 15 Prozent auf Wirtschaftsprüfung (reine Abschlussprüfung, ohne wirtschaftsprüfungsnahe Beratung). Es werden in das  Ranking nur  selbständig organisierte Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften (keine Netzwerkgesellschaften oder Allianzen) aufgenommen.

Wie seit Jahren stehen die sogenannten Big-Four-WP-Gesellschaften auf den ersten Rängen der führenden 25 WP-Gesellschaften in Deutschland. Platz 1 belegt PwC AG mit 1.636 Millionen Euro Umsatz in Deutschland. Dahinter folgen die Ernst & Young Gruppe mit 1.531 Millionen Euro, KPMG AG mit 1.506 Millionen Euro Umsatz und Deloitte GmbH mit 790 Millionen Euro Umsatz in Deutschland.

Die Deutschlandumsätze der Top 25 machten 2015 zusammen 6,9  Milliarden Euro, die Umsätze aller 74 in die Studie einbezogenen Gesellschaften zusammen 8,7 Milliarden Euro aus.

Die Gesamtumsätze der jeweils rund 75 Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften der Lünendonk-Studien sind seit 2005 um durchschnittlich 6,1 Prozent pro Jahr gewachsen, das heißt deutlich mehr als doppelt so stark wie das nominale Bruttoinlandsprodukt in diesen Jahren (2,7 %). Die vier großen internationalen  WP-Konzerne (Big Four) weisen in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr eine deutlich niedrigere Wachstumsrate auf als die untersuchten WP-Gesellschaften zusammen. Dafür sind fast ausschließlich die Umsatzrückgänge der Big Four in den Jahren der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2009/2010 verantwortlich. Die stärkere Anhängigkeit der Big Four von konjunkturellen Wechsellagen hängt damit zusammen, dass sie einen  wesentlich höheren Umsatzanteil mit konjunkturabhängiger Management-, Finanzierungs-, Unternehmens- und IT-Beratung aufweisen als alle Gesellschaften im Durchschnitt.

‍Lünendonk®-Liste 2016: Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland: Netzwerke und Allianzen

Die 74 Teilnehmer der Lünendonk-Studie steigerten ihre Umsätze im Jahr 2015 im Durchschnitt um 6,4 Prozent und waren damit schwächer als die Top 25, deren Umsätze im Durchschnitt um 8,2 Prozent stiegen. Die Big Four legten um 8,1 Prozent zu.

Wie heterogen diese Branche ist und wie unterschiedlich die Entwicklung der einzelnen Unternehmen verläuft, zeigt ein Blick auf die Extremwerte beim Umsatzwachstum. Während das maximale Wachstum eines Unternehmens bei 28,7 Prozent liegt, weist ein anderes mit minus 3,9 Prozent den Minimalwert auf. Der arithmetische Mittelwert von 6,4 Prozent wird deshalb vom Zentralwert (Median) mit 5,3 Prozent deutlich unterschritten.

Für die Zukunft, das heißt für die Zeit bis 2020, erwarten die Gesellschaften weiter deutlich steigende jährliche Umsatzwachstumsraten. Die prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Zuwächse liegen bei allen Teilnehmern (5,3 Prozent) und bei den Top 25 (5,4 Prozent) eher im Bereich des aktuellen Medians, während die Big Four nach eigenen Angaben ihr aktuelles Wachstum in Zukunft mit 8,7 Prozent pro Jahr sogar deutlich übertreffen wollen.

Marktstruktur

Wie in Business-to-Business-Dienstleistungs-Märkten häufig anzutreffen, hat die Anbieterseite des Marktes für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung die typische Struktur eines Oligopols. Während die drei nach Umsatz führenden WP-Gesellschaften in Deutschland jeweils einen Umsatz von über einer Milliarde Euro erzielen, weist die auf Rang 10 liegende Gesellschaft einen Deutschlandumsatz von deutlich unter 100 Millionen Euro auf, und die Gesellschaft auf Rang 25 macht nur einen Umsatz von unter 25 Millionen Euro.

‍Umsatzwachstum der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2005-2015 Quelle: Lünendonk GmbH

Nach der neuesten Marktstrukturanalyse der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hatten 2014 87,5 Prozent der tätigen Wirtschaftsprüfungs- und vereidigten Buchprüfungs-Gesellschaften weniger als 5 Wirtschaftsprüfer (WPs) oder vereidigte Buchprüfer (vBPs) angestellt. Nur 0,2 Prozent oder 7 Gesellschaften beschäftigten mehr als 100 WPs/vBPs.

Die Wirtschaftsprüferkammer veröffentlicht halbjährlich eine Mitgliederstatistik. Zum 1. Juli 2016 waren 2.916 WP-Gesellschaften und 100 vereidigte Buchprüfungs-Gesellschaften mit 14.557 Wirtschaftsprüfern und 2.897 vereidigten Buchprüfern gemeldet.

Die große Anzahl an WP-Unternehmen deutet also auf ein Oligopol und eine im Übrigen sehr atomistische Anbieterstruktur hin.

Die Verantwortlichen für die Lünendonk-Studie taxieren für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 das Marktvolumen auf 12,2 Milliarden Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Steuerberatungs- und Rechtsberatungsleistungen von reinen Steuerberatern, Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzleien in der Kalkulation nicht berücksichtigt werden.

Der Vergleich der kumulierten Umsätze der 74 Studienteilnehmer mit dem berechneten Marktvolumen von 12,2 Milliarden Euro zeigt eine große Marktabdeckung. Mehr als 70 Prozent deckt die Lünendonk-Studie in diesem Jahr ab. Allein die Top 25 repräsentieren knapp 56,3 Prozent des Marktes.

Leistungsspektrum

Die meisten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften (WPGs) beschränken sich seit längerem nicht auf die in der Wirtschaftsprüfungsordnung (WPO) an erster Stelle genannten Prüfungsaufgaben. Insbesondere die größeren WPGs haben ihr Leistungsspektrum inzwischen auf Steuerberatung im weiteren Sinne, auf betriebswirtschaftliche Beratung und Rechtsberatung ausgeweitet.

Nach der neuesten Mitgliederstatistik der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) vom 1. Juli 2016 weisen 1.971 der Mitglieder die Qualifikation Wirtschaftsprüfer, 11.938 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, 544 Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt und Steuerberater sowie 99 Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt auf. Auch von den vereidigten Buchprüfern haben 2.534 zusätzlich die Qualifikation eines Steuerberaters, 232 die eines Rechtsanwaltes sowie 97 die eines Rechtsanwaltes und Steuerberaters.

Die seit 2005 durchgeführte jährliche Befragung der Lünendonk GmbH, Mindelheim, die sich primär an die 25 größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland, aber auch an weitere zirka 45 bis 50 kleinere WPGs/STB-Gesellschaften und eine Reihe von Netzwerken beziehungsweise Allianzen richtet, ergibt beim Leistungsspektrum sogar ein Übergewicht der Steuerberatung (einschließlich Steuerdeklaration und Buchhaltung), mit der im Durchschnitt 45,7 Prozent der Umsätze der befragten Unternehmen erwirtschaftet wird. Das klassische Geschäft Wirtschaftsprüfung (einschließlich wirtschaftsprüfungsnaher Beratung) macht dagegen im Durchschnitt nur 34,1 Prozent der Umsätze aus. Deutlich niedrigere Mittelwerte ergeben sich für die Leistungsbereiche Advisory (Corporate Finance und Business Consulting mit 10,1 Prozent und Rechtsberatung mit 7,7 Prozent), während weitere 2,3 Prozent auf sonstige Dienstleistungen entfallen.

Die Strukturdaten auf Basis der einfachen Durchschnitte täuschen jedoch. Der Blick auf die Top 25 oder besser auf alle mit dem jeweiligen Umsatz gewichteten Anteile ergibt ein deutlich anderes Bild. Bei den gewichteten Durchschnittswerten liegt die Wirtschaftsprüfung mit 36,4 Prozent an der Spitze vor Steuerberatung mit 34,6 Prozent. Die Management- und  Unternehmensberatung steigert ihren Anteil auf 25,2 Prozent, während der Anteil der Rechtsberatung auf 2,8 Prozent fällt.

Die Ursachen für die Unterschiede zwischen einfachen und gewichteten Durchschnittswerten sind offensichtlich: Bei den großen,  umsatzstärkeren Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften spielen die Wirtschaftsprüfung und die Managementberatung eine deutlich größere Rolle, während für die kleineren, umsatzschwächeren Gesellschaften die Steuerberatung und die Rechtsberatung wichtiger sind.

Doch auch das ist nur eine Momentaufnahme. Beim Blick auf die Entwicklung der gewichteten Anteile der Leistungskategorien in den letzten Jahren zeigt sich eine klare Tendenz. In den vergangenen etwa 10 Jahren ist der Anteil der Wirtschaftsprüfung am gesamten Umsatz der von Lünendonk befragten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften kontinuierlich zurückgegangen und zwar von 51,9 Prozent (2004) auf 36,4 Prozent (2015). Der Anteil der Steuerberatung am Umsatz stieg hingegen ebenfalls kontinuierlich von 26,4 Pro-zent (2004) auf 34,6 Prozent (2015). Auch der Anteil der Management- und Unternehmensberatung zeigt eine deutlich steigende Tendenz von 18,9 Prozent (2004) auf 25,2 Prozent (2015), während die Rechtsberatung sich mit ihrem Anteil stets im Bereich zwischen zwei und drei Prozent bewegt.

Für diese Strukturverschiebungen zwischen den Leistungskategorien der Wirtschaftsprüfung- und Steuerberatungs-Gesellschaften gibt es eine Reihe von Gründen. So hängt zum Beispiel der anteilige Rückgang der Audit-Leistungen damit zusammen, dass die Zahl der großen prüfungspflichtigen Klienten durch Fusionen und Übernahmen eher sinkt als steigt. Außerdem wird die Prüfung der Jahresabschlüsse zunehmend zum Standard-Produkt, zum Commodity Service, und benötigt wegen der informationstechnischen Aufbereitung der Daten und der betriebsinternen Informationssysteme immer  weniger Zeit.

Die Audit-Honorare unterliegen einem hohen Preisdruck. Nimmt man den Durchschnitt der von den Studienteilnehmern genannten Maximalhonorare für Audit-Leistungen, so liegt dieser bei rund 263 Euro pro Stunde, die genannten Minimalwerte durchschnittlich bei 78 Euro pro Stunde. Als entsprechend aus den An gaben der Teilnehmer errechnete Honorarwerte ergeben sich für die Steuerberatung 266 beziehungsweise 83 Euro pro Stunde, für  Managementberatung werden 279 beziehungsweise 90 Euro pro Stunde genannt und für Rechtsberatung werden 338 beziehungsweise 116 Euro pro Stunde erzielt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist eine Trendwende festzustellen: Die Honorare 2015 blieben stabil respektive erholten sich leicht.

Da sich die Abschlussprüfungsarbeiten auf bestimmte Zeiträume im Jahr konzentrieren, ist es außerdem naheliegend, für die hochqualifizierten und hochbezahlten Wirtschaftsprüfer adäquate Zusatztätigkeiten in den anderen Zeiten während des Jahres zu suchen. Die  Zunahme der Managementberatungstätigkeit ist also auch die Folge dieser Auslastungsmaßnahmen.

Leistungsspektrum der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2004‒2015 Quelle: Lünendonk GmbH

In welchen Geschäftsbereichen sehen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in den nächsten zwei bis drei Jahren die größten Chancen für Umsatzzuwächse? Die Bewertung durch die Studienteilnehmer (+2 = sehr große Wachstumschancen bis ‒2 = sehr geringe Wachstumschancen) ergibt folgendes Bild: 33 Prozent erwarten für die kommenden zwei bis drei Jahre  ein »sehr großes« Wachstumspotenzial im Bereich Tax, weitere 58 Prozent ein »großes«. Die übrigen sind neutral (9 Prozent). Der sich ergebende Durchschnittswert aller Teilnehmer von 1,2 steigt, wenn man die Antworten der Top 10 gesondert betrachtet, auf 1,5.

Bei der Rechtsberatung als Zukunftsmarkt rechnen 32 Prozent mit »sehr großem« und 58 Prozent mit »großem« Potenzial. Die übrigen 10 Prozent sehen das Thema neutral. Der Durchschnittswert von 1,2 wird deutlich überschritten, wenn man nur die Top 10 betrachtet (1,6).

An Business Consulting knüpfen 31 Prozent »sehr große« und 51 Prozent »große« Erwartungen als Zukunftsthema. Allerdings sehen 15 Prozent dieses Geschäftsfeld neutral und 3 Prozent verbinden damit »eher geringe« Wachstumschancen. Auch hier steigt der Durchschnittswert (1,1) deutlich an, wenn man die Top 10 isoliert betrachtet (1,3).

An das Thema Audit haben deutlich weniger Teilnehmer große Zukunftserwartungen. Nur 10 Prozent sehen hier »sehr große« und 38 Prozent »große« Umsatzsteigerungschancen in den nächsten zwei bis drei Jahren. 7 Prozent bewerten das Potenzial als »eher gering« und 2 Prozent sogar als »sehr gering«. Zusammen mit der hohen Zahl (43 Prozent) von neutralen Stimmen ergibt dies einen Durchschnittswert von 0,5, der von den Top 10 (0,6) noch übertroffen wird.

Marktsektoren

Die von Lünendonk analysierten WP-Gesellschaften erzielen mehr als ein Drittel ihrer Umsätze mit Industrieunternehmen, wovon besonders der Maschinenbau (7,7 Prozent), die Automobilindustrie (7,6 Prozent), die Konsumgüterindustrie (4,5 Prozent) und die Elektrotechnische Industrie (3,0 Prozent) bedeutende Anteile haben.  Neben Chemie- und Pharma-Industrie (1,9 Prozent) und Luft-und Raumfahrt-Industrie (0,4 Prozent) ist vor allem die »Sonstige  Industrie« mit 10,9 Prozent ein wichtiger Klient der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland.

‍Marktsektoren der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2015 (Angaben in Prozent) Quelle: Lünendonk GmbH

Der Handel hat mit 15,8 Prozent Anteil ebenso einen hohen Anteil am Umsatz wie die Immobilienwirtschaft mit 9,2 Prozent. Mit relativ hohen Anteilen folgen die Behörden/Öffentlicher Dienst (6,4 Prozent), das Gesundheitswesen (5,5 Prozent), Verkehr/Logistik (3,7 Prozent) und Energie (3,3 Prozent). Alle übrigen Marktsektoren liegen mit ihren jeweiligen Anteilen unterhalb von 3 Prozent. Nur die Sammelposition »Sonstige Dienstleistungen« steht für 12,2 Prozent der  Umsätze der an der Befragung teilnehmenden Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften.

Die Gewichtung der Anteile der Marktsektoren mit den jeweiligen Umsätzen zeigt im Vergleich mit den einfachen Mittelwerten, dass sich zum Beispiel bei Banken der gewichtete Umsatzanteil mit 11,9 Prozent um ein Mehrfaches vom einfachen Mittelwert unterscheidet (2,7 Prozent). Das gilt, wenn auch nicht so ausgeprägt, auch für die Maschinenbau-Industrie (11,0 Prozent beziehungsweise 7,7 Prozent), das Gesundheitswesen (8,3 Prozent  beziehungsweise 5,5 Prozent), die Konsumgüter-Industrie (7,4 Prozent beziehungsweise 4,5 Prozent) und für Telekommunikation/IT (5,7 Prozent beziehungsweise 2,4 Prozent).

Die Unterschiede weisen darauf hin, dass die Branchen mit deutlich höheren gewichteten Anteilen überproportional von umsatzstärkeren WP-Gesellschaften genannt wurden. Umgekehrt ist es zum Beispiel beim Handel (11,1 Prozent beziehungsweise 15,8 Prozent), bei der Immobilien-Wirtschaft (5,5 Prozent beziehungsweise 9,2 Prozent) oder bei  der Automobilindustrie (3,1 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent), wo die gewichteten Umsatzanteile deutlich unter den einfachen Anteilen liegen, das heißt dass diese Branchen überwiegend bei umsatzschwächeren WP-Gesellschaften Kunden sind.

Restriktionen

Welche Restriktionen behindern die WP-Gesellschaften bei der Entwicklung und beim Erfolg ihrer Unternehmen? Lünendonk ließ die Teilnehmer der Befragung eine Reihe von Faktoren anhand einer Skala (von +2 = sehr starke Behinderung bis ‒2 = gar keine Behinderung) bewerten. So ergeben sich Mittelwerte zwischen + 2 und ‒2. Mit dem Durchschnittswert 1,0 lag 2015 der Faktor »Niedrige Marktpreise/Honorare« wie seit Jahren als Behinderung an der Spitze. Kontinuierlich angestiegen in der Gravität ist die Restriktion »Mangel an Fachkräften«, die 2015 ebenfalls den Durchschnittswert 1,0 erreicht. Nur noch die »Hohen Personalkosten« (0,2) erreichen inzwischen eine durchschnittliche Bewertung, die eine Behinderung anzeigt, die übrigen sechs vorgegebenen denkbaren Restriktionsfaktoren sind im Durchschnitt alle negativ bewertet, das heißt, dass sie aktuell sehr geringe oder gar keine Behinderung für die Entwicklung und den Erfolg der befragten WP-Gesellschaften darstellen.

Der Faktor »Aktuelle wirtschaftliche Situation«, der wegen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2009 (0,8) und 2010 (0,5) noch deutlich als Restriktion empfunden wurde, ist inzwischen auf ‒0,6 zurückgefallen. Die wenigsten Sorgen bereiten den WP-Gesellschaftern im Durchschnitt seit Jahren der »Wettbewerb durch Inhouse Consulting« (‒1,1) und »Fehlende eigene Internationalität« (‒1,0).

Pro-Kopf-Umsätze

Zur Ermittlung der Kennzahl »Pro-Kopf-Umsatz« wird der Gesamtumsatz eines Unternehmens durch die Gesamtzahl seiner Mitarbeiter geteilt, es werden also nicht nur die operativ tätigen Mitarbeiter, sondern auch der Overhead einbezogen. So bietet diese Kennzahl die Möglichkeit, die Eigenleistungstiefe, aber auch die Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen zu vergleichen. Diese Umsätze pro Kopf weisen zwischen den teilnehmenden WP-Gesellschaften beträchtliche Unterschiede auf. Der für 2015 errechnete maximale Pro-Kopf-Umsatz beträgt 238.000 Euro, der minimale 67.000 Euro. Trotz dieser Extremwerte liegen der einfache arithmetische Mittelwert (113.000 Euro) und der Zentralwert/Median (104.000 Euro) nicht sehr weit auseinander, was darauf schließen lässt, dass sich in dieser Größenordnung der »branchenübliche« Pro-Kopf-Umsatz bewegt.

Weiteren Aufschluss gibt die Analyse nach Unternehmensgrößen-Klassen. Hier liegen die Big Four mit 162.000 Euro an der Spitze vor den Top 10 (141.00 Euro) und den Top 25 (121.000 Euro). Nimmt man alle rund 74 an der Befragung beteiligten WP-Gesellschaften zusammen, so ergibt sich ein Pro-Kopf-Umsatz von durchschnittlich 113.000 Euro.

Unterschiede bei den Pro-Kopf-Umsätzen können verschiede Ursachen haben. Der wichtigste Grund sind wahrscheinlich Unterschiede in den Leistungsspektren. So wirkt sich wegen der unterschiedlichen Honorarhöhen zum Beispiel aus, ob die WP-Gesellschaft ihren geschäftlichen Schwerpunkt auf Audit oder Tax oder Legal oder Consultancy hat. Dabei kann auch davon ausgegangen werden, dass große WP-Gesellschaften auch höhere Honorare verlangen und für Großunternehmen tätig sind.

Grundsätzlich sagt der Pro-Kopf-Umsatz aber auch etwas über die Produktivität des betreffenden Unternehmens aus, was sich besonders bei einem Vergleich von mehreren Jahren zeigt.

Netzwerke und Kooperationen

Eine Besonderheit des Marktes für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung  sind Netzwerke und Allianzen von und mit anderen Branchenteilnehmern. Für die mittelgroßen und kleineren WP-Gesellschaften können sie einen Ausgleich im Wettbewerb mit den großen, insbesondere den großen multinational aufgestellten Wettbewerbern schaffen.

Die wichtigsten Gründe für solche Kooperationen und Netzwerke sind nach Auskunft der betreffenden Gesellschaften der »Erfahrungs- und Wissensaustausch«, die »Angebotserweiterung/Präsenz«, die »Spezialisierung der Partner« und die »Qualität der Leistung« zu steigern.

Die 16 in Deutschland tätigen Netzwerke beziehungsweise Allianzen mit unabhängigen Mitgliedern, die an der Studie beteiligt waren, erzielten 2015 einen Umsatz in Deutschland in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und beschäftigten 14.725 Mitarbeiter. Davon entfallen auf die Top 10 von ihnen zusammen 1,3 Milliarden Euro und 12.152 Mitarbeiter.

‍Behinderungsfaktoren bezüglich der Entwicklung und des Erfolgs  des Unternehmens (Angaben in Prozent) Quelle: Lünendonk GmbH

Die Steigerung der Umsätze der 16 Netzwerke machte 2015 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 8,3 Prozent aus, der Median der Umsatzzuwächse betrug jedoch nur 6,2 Prozent, der Mittelwert ist durch das extreme Wachstum eines Unternehmens überhöht. Für die Zeit bis 2020 prognostizieren die betreffenden Studienteilnehmer ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von zirka 4,6 Prozent. Damit sind sie etwas pessimistischer als die einzelnen, selbständigen WP-Gesellschaften (5,3 Prozent).

Mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) ihrer Umsätze erwirtschaften die Netzwerke im Durchschnitt mit Steuerberatung (Tax), einschl. Steuerdeklaration und Buchhaltung. Ein knappes Drittel (28,4 Prozent) entfällt auf Wirtschaftsprüfung (Audit), einschließlich wirtschaftsprüfungsnaher Beratung. Rechtsberatung (Legal) tragen mit 10,9 Prozent und Advisory (Corporate Finance & Business Consulting) mit 5,0 Prozent zum Umsatz bei.

Auch für die nächsten zwei bis drei Jahre sehen die Netzwerksgesellschaften im Geschäftsfeld Tax die deutlich größten Wachstumschancen vor Legal, Corporate Finance und Business Consulting. Die geringsten Wachstumserwartungen haben auch die Netzwerke an das Geschäftsfeld Audit.

Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG)

Die am 16. Juni 2014 in Kraft getretene EU-Reform der Abschlussprüfung hatte in der Folge zu ausführlichen Diskussionen geführt. Die neuen Regelungen sollten bessere Qualität für die Abschlussprüfungen, mehr Offenheit und Transparenz auf dem Markt für Abschlussprüfungen und Unabhängigkeit prüfungsfremder Leistungen bringen. Nachdem diese Regelungen gegenüber dem Grünbuch von EU-Kommissar Michael Barnier (30. November 2011) bereits deutlich milder ausgefallen waren, hat auch die Behandlung im Deutschen Bundestag zur Umsetzung der EU-Richtlinie eher Abschwächungen gebracht. Trotzdem bezeichnete die Wirtschaftsprüferkammer das am 3. Dezember 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz in ihrer Pressemitteilung vom 4. Dezember 2015 als »die größte Reform der Aufsicht über Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer in Deutschland seit Jahrzehnten. «Die Kritik der WPK am Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG), das am 5. April 2016 im Bundesgesetzblatt N.14 unter dem Titel »Gesetz zur Umsetzung der aufsichts- und berufsrechtlichen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz – APAReG)« veröffentlicht wurde, fällt dennoch recht zurückhaltend und formal aus.

Lünendonk hat die Teilnehmer an der Studie im Frühjahr 2016 gefragt, was sie persönlich für ihr Unternehmen von der Zukunft und den neuen Regelungen erwarten. 88 Prozent waren der Meinung, dass »die Zukunft herausfordernd« sein werde, man »aber gut aufgestellt« sei. Allerdings bekannten aber auch 7 Prozent, dass sie »gemischte Gefühle« hätten, 5 Prozent aber meinten, sie seien »sehr optimistisch« da »es der Branche gut gehe«.

Die wichtigsten Prinzipien der Geschäftstätigkeit

Die Lünendonk®-Studie gibt Aufschluss darüber, wie die Unternehmen ihre Zukunft angesichts der neuen Regelungen  des APAReG und AReG einschätzen; © firstpentuer / thinkstock

Welchen Grundregeln folgen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften bei der Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit? Anhand der Bewertung einiger Kernaussagen sollten die Tendenzen erkundet werden (+2 = trifft voll und ganz zu bis ‒2 = trifft nicht zu).

Der These »Wir setzen auf Multidisziplinarität, weil die Mandanten  eine integrierte  Beratung einfordern« stimmen 70 Prozent »voll« und 26 Prozent »eher« zu. Die restlichen 5 Prozent verhalten sich neutral. Der Durchschnittswert von 1,7 wird – nicht unerwartet − von den Top 10 (1,9) übertroffen.

Wesentlich zurückhaltender sind die  Unternehmen bei der These »Die Management-/Unternehmensberatung ist ein  wesentlicher Teil unserer Tätigkeit«. Nur 16 Prozent halten dieses Themenfeld für ihr eigenes Unternehmen für unverzichtbar, 37 Prozent aber immerhin für wichtig, allerdings stehen 47 Prozent diesem Themenfeld ablehnend oder neutral  gegenüber. Die Durchschnittswerte aller (0,4) und der Top 10 (0,9) zeigen, dass diese These noch am ehesten von den großen Gesellschaften gestützt wird.

Im leicht positiven Bereich liegt die  Bewertung der These »Wir setzen auf Kooperationen mit Rechtsanwaltskanzleien« (0,3). Weitere sieben Thesen ergeben negative Zustimmungswerte, wobei die Ablehnung der These »Die Konzentration auf die Wirtschaftsprüfung (Jahresabschluss und prüfungsnahe Leistungen) ist unser Weg der Zukunft« mit ‒1,1 (Alle Teilnehmer) und ‒1,0 (Top 10) besonders extrem ausfällt. Kein Teilnehmer sagt, dass er dieser Aussage »voll« und nur 7 Prozent sagen, dass sie ihr »eher« zustimmen können. Überraschend ist auch die geringe Begeisterung für Kooperationen mit Management-/Unternehmensberatungen (‒0,2) und IT-Beratungen (‒0,2), die erwartungsgemäß bei den Top 10 (‒0,9 beziehungsweise ‒0,4) noch deutlicher ausfällt.

Zukunftserwartungen

Nach den größten Herausforderungen in den nächsten zwei bis drei Jahren befragt, werden »Erschwerte Rekrutierung von qualifiziertem Personal« und »Erhöhter Preiswettbewerb« am häufigsten genannt. Gewisse Sorgen, wenn auch geringere, bereiten die »Akquisition von neuen Mandanten«, die »Commoditisierung von Services«, »Zunehmende Digitalisierung« und »Sicherung der bestehenden Mandantenstruktur«.

Keine Probleme erwarten die befragten WP-Gesellschaften durch die »Wirtschaftliche Entwicklung in Europa«, durch »Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland« und durch »Internationalisierung«.

Bezüglich des zukünftigen Marktwachstums rechnen die Unternehmen ziemlich einheitlich bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von knapp unter 3 Prozent. Ihr Unternehmenswachstum wollen sie zumeist durch Entwicklung der eigenen Mitarbeiter, aber auch durch Integration neuer Partner und Teams beziehungsweise durch die Integration einer akquirierten Gesellschaft bewerkstelligen.

Dr. Heinz Streicher  

ist Principal der Lünendonk & Hossenfelder GmbH.  Der Diplom-Volkswirt und Dr. rer. pol. ist seit 1990 zudem selbstständiger Unternehmensberater für Marketing und Management in der Hightech-und Dienstleistungsbranche.

Ali Deveci 

Diplom-Kaufmann (FH), ist seit 2012 bei der Lünendonk & Hossenfelder GmbH und betreut als Manager Organisation & IT Marktforschungs- und Beratungsprojekte der Märkte Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sowie Zeitarbeit und Personaldienstleistungen.

Der Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung in Deutschland gehört zu den großen Business-to-Business-Dienstleistungsmärkten mit Milliarden-Euro-Volumen. Wegen der komplexen Leistungsstruktur der in diesem Marktsegment tätigen Anbieter besteht wenig Transparenz. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk, Mindelheim, führt deshalb seit einem Jahrzehnt jährlich eine umfangreiche Studie unter dem Titel »Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland« durch. Darin werden die 25 umsatzstärksten und weitere rund 50 mittelgroße und kleine WP-Gesellschaften sowie ergänzend eine Gruppe von WP-Netzwerken und -Allianzen analysiert.

‍Lünendonk®-Liste 2016: Führende Wirtschaftsprüfungs- und  Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland;  Quelle: Lünendonk GmbH

Die Kriterien für die Aufnahme in das veröffentlichte Ranking der Top 25 sind: mehr als 60 Prozent des Umsatzes werden mit Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung (ohne Steuerdeklaration und Buchhaltung),  Corporate Finance und/oder Rechtsberatung erzielt, davon entfallen mindestens 15 Prozent auf Wirtschaftsprüfung (reine Abschlussprüfung, ohne wirtschaftsprüfungsnahe Beratung). Es werden in das  Ranking nur  selbständig organisierte Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften (keine Netzwerkgesellschaften oder Allianzen) aufgenommen.

Wie seit Jahren stehen die sogenannten Big-Four-WP-Gesellschaften auf den ersten Rängen der führenden 25 WP-Gesellschaften in Deutschland. Platz 1 belegt PwC AG mit 1.636 Millionen Euro Umsatz in Deutschland. Dahinter folgen die Ernst & Young Gruppe mit 1.531 Millionen Euro, KPMG AG mit 1.506 Millionen Euro Umsatz und Deloitte GmbH mit 790 Millionen Euro Umsatz in Deutschland.

Die Deutschlandumsätze der Top 25 machten 2015 zusammen 6,9  Milliarden Euro, die Umsätze aller 74 in die Studie einbezogenen Gesellschaften zusammen 8,7 Milliarden Euro aus.

Die Gesamtumsätze der jeweils rund 75 Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften der Lünendonk-Studien sind seit 2005 um durchschnittlich 6,1 Prozent pro Jahr gewachsen, das heißt deutlich mehr als doppelt so stark wie das nominale Bruttoinlandsprodukt in diesen Jahren (2,7 %). Die vier großen internationalen  WP-Konzerne (Big Four) weisen in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr eine deutlich niedrigere Wachstumsrate auf als die untersuchten WP-Gesellschaften zusammen. Dafür sind fast ausschließlich die Umsatzrückgänge der Big Four in den Jahren der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2009/2010 verantwortlich. Die stärkere Anhängigkeit der Big Four von konjunkturellen Wechsellagen hängt damit zusammen, dass sie einen  wesentlich höheren Umsatzanteil mit konjunkturabhängiger Management-, Finanzierungs-, Unternehmens- und IT-Beratung aufweisen als alle Gesellschaften im Durchschnitt.

‍Lünendonk®-Liste 2016: Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland: Netzwerke und Allianzen

Die 74 Teilnehmer der Lünendonk-Studie steigerten ihre Umsätze im Jahr 2015 im Durchschnitt um 6,4 Prozent und waren damit schwächer als die Top 25, deren Umsätze im Durchschnitt um 8,2 Prozent stiegen. Die Big Four legten um 8,1 Prozent zu.

Wie heterogen diese Branche ist und wie unterschiedlich die Entwicklung der einzelnen Unternehmen verläuft, zeigt ein Blick auf die Extremwerte beim Umsatzwachstum. Während das maximale Wachstum eines Unternehmens bei 28,7 Prozent liegt, weist ein anderes mit minus 3,9 Prozent den Minimalwert auf. Der arithmetische Mittelwert von 6,4 Prozent wird deshalb vom Zentralwert (Median) mit 5,3 Prozent deutlich unterschritten.

Für die Zukunft, das heißt für die Zeit bis 2020, erwarten die Gesellschaften weiter deutlich steigende jährliche Umsatzwachstumsraten. Die prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Zuwächse liegen bei allen Teilnehmern (5,3 Prozent) und bei den Top 25 (5,4 Prozent) eher im Bereich des aktuellen Medians, während die Big Four nach eigenen Angaben ihr aktuelles Wachstum in Zukunft mit 8,7 Prozent pro Jahr sogar deutlich übertreffen wollen.

Marktstruktur

Wie in Business-to-Business-Dienstleistungs-Märkten häufig anzutreffen, hat die Anbieterseite des Marktes für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung die typische Struktur eines Oligopols. Während die drei nach Umsatz führenden WP-Gesellschaften in Deutschland jeweils einen Umsatz von über einer Milliarde Euro erzielen, weist die auf Rang 10 liegende Gesellschaft einen Deutschlandumsatz von deutlich unter 100 Millionen Euro auf, und die Gesellschaft auf Rang 25 macht nur einen Umsatz von unter 25 Millionen Euro.

‍Umsatzwachstum der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2005-2015 Quelle: Lünendonk GmbH

Nach der neuesten Marktstrukturanalyse der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hatten 2014 87,5 Prozent der tätigen Wirtschaftsprüfungs- und vereidigten Buchprüfungs-Gesellschaften weniger als 5 Wirtschaftsprüfer (WPs) oder vereidigte Buchprüfer (vBPs) angestellt. Nur 0,2 Prozent oder 7 Gesellschaften beschäftigten mehr als 100 WPs/vBPs.

Die Wirtschaftsprüferkammer veröffentlicht halbjährlich eine Mitgliederstatistik. Zum 1. Juli 2016 waren 2.916 WP-Gesellschaften und 100 vereidigte Buchprüfungs-Gesellschaften mit 14.557 Wirtschaftsprüfern und 2.897 vereidigten Buchprüfern gemeldet.

Die große Anzahl an WP-Unternehmen deutet also auf ein Oligopol und eine im Übrigen sehr atomistische Anbieterstruktur hin.

Die Verantwortlichen für die Lünendonk-Studie taxieren für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 das Marktvolumen auf 12,2 Milliarden Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Steuerberatungs- und Rechtsberatungsleistungen von reinen Steuerberatern, Rechtsanwalts- und Wirtschaftskanzleien in der Kalkulation nicht berücksichtigt werden.

Der Vergleich der kumulierten Umsätze der 74 Studienteilnehmer mit dem berechneten Marktvolumen von 12,2 Milliarden Euro zeigt eine große Marktabdeckung. Mehr als 70 Prozent deckt die Lünendonk-Studie in diesem Jahr ab. Allein die Top 25 repräsentieren knapp 56,3 Prozent des Marktes.

Leistungsspektrum

Die meisten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften (WPGs) beschränken sich seit längerem nicht auf die in der Wirtschaftsprüfungsordnung (WPO) an erster Stelle genannten Prüfungsaufgaben. Insbesondere die größeren WPGs haben ihr Leistungsspektrum inzwischen auf Steuerberatung im weiteren Sinne, auf betriebswirtschaftliche Beratung und Rechtsberatung ausgeweitet.

Nach der neuesten Mitgliederstatistik der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) vom 1. Juli 2016 weisen 1.971 der Mitglieder die Qualifikation Wirtschaftsprüfer, 11.938 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, 544 Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt und Steuerberater sowie 99 Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt auf. Auch von den vereidigten Buchprüfern haben 2.534 zusätzlich die Qualifikation eines Steuerberaters, 232 die eines Rechtsanwaltes sowie 97 die eines Rechtsanwaltes und Steuerberaters.

Die seit 2005 durchgeführte jährliche Befragung der Lünendonk GmbH, Mindelheim, die sich primär an die 25 größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland, aber auch an weitere zirka 45 bis 50 kleinere WPGs/STB-Gesellschaften und eine Reihe von Netzwerken beziehungsweise Allianzen richtet, ergibt beim Leistungsspektrum sogar ein Übergewicht der Steuerberatung (einschließlich Steuerdeklaration und Buchhaltung), mit der im Durchschnitt 45,7 Prozent der Umsätze der befragten Unternehmen erwirtschaftet wird. Das klassische Geschäft Wirtschaftsprüfung (einschließlich wirtschaftsprüfungsnaher Beratung) macht dagegen im Durchschnitt nur 34,1 Prozent der Umsätze aus. Deutlich niedrigere Mittelwerte ergeben sich für die Leistungsbereiche Advisory (Corporate Finance und Business Consulting mit 10,1 Prozent und Rechtsberatung mit 7,7 Prozent), während weitere 2,3 Prozent auf sonstige Dienstleistungen entfallen.

Die Strukturdaten auf Basis der einfachen Durchschnitte täuschen jedoch. Der Blick auf die Top 25 oder besser auf alle mit dem jeweiligen Umsatz gewichteten Anteile ergibt ein deutlich anderes Bild. Bei den gewichteten Durchschnittswerten liegt die Wirtschaftsprüfung mit 36,4 Prozent an der Spitze vor Steuerberatung mit 34,6 Prozent. Die Management- und  Unternehmensberatung steigert ihren Anteil auf 25,2 Prozent, während der Anteil der Rechtsberatung auf 2,8 Prozent fällt.

Die Ursachen für die Unterschiede zwischen einfachen und gewichteten Durchschnittswerten sind offensichtlich: Bei den großen,  umsatzstärkeren Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften spielen die Wirtschaftsprüfung und die Managementberatung eine deutlich größere Rolle, während für die kleineren, umsatzschwächeren Gesellschaften die Steuerberatung und die Rechtsberatung wichtiger sind.

Doch auch das ist nur eine Momentaufnahme. Beim Blick auf die Entwicklung der gewichteten Anteile der Leistungskategorien in den letzten Jahren zeigt sich eine klare Tendenz. In den vergangenen etwa 10 Jahren ist der Anteil der Wirtschaftsprüfung am gesamten Umsatz der von Lünendonk befragten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften kontinuierlich zurückgegangen und zwar von 51,9 Prozent (2004) auf 36,4 Prozent (2015). Der Anteil der Steuerberatung am Umsatz stieg hingegen ebenfalls kontinuierlich von 26,4 Pro-zent (2004) auf 34,6 Prozent (2015). Auch der Anteil der Management- und Unternehmensberatung zeigt eine deutlich steigende Tendenz von 18,9 Prozent (2004) auf 25,2 Prozent (2015), während die Rechtsberatung sich mit ihrem Anteil stets im Bereich zwischen zwei und drei Prozent bewegt.

Für diese Strukturverschiebungen zwischen den Leistungskategorien der Wirtschaftsprüfung- und Steuerberatungs-Gesellschaften gibt es eine Reihe von Gründen. So hängt zum Beispiel der anteilige Rückgang der Audit-Leistungen damit zusammen, dass die Zahl der großen prüfungspflichtigen Klienten durch Fusionen und Übernahmen eher sinkt als steigt. Außerdem wird die Prüfung der Jahresabschlüsse zunehmend zum Standard-Produkt, zum Commodity Service, und benötigt wegen der informationstechnischen Aufbereitung der Daten und der betriebsinternen Informationssysteme immer  weniger Zeit.

Die Audit-Honorare unterliegen einem hohen Preisdruck. Nimmt man den Durchschnitt der von den Studienteilnehmern genannten Maximalhonorare für Audit-Leistungen, so liegt dieser bei rund 263 Euro pro Stunde, die genannten Minimalwerte durchschnittlich bei 78 Euro pro Stunde. Als entsprechend aus den An gaben der Teilnehmer errechnete Honorarwerte ergeben sich für die Steuerberatung 266 beziehungsweise 83 Euro pro Stunde, für  Managementberatung werden 279 beziehungsweise 90 Euro pro Stunde genannt und für Rechtsberatung werden 338 beziehungsweise 116 Euro pro Stunde erzielt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist eine Trendwende festzustellen: Die Honorare 2015 blieben stabil respektive erholten sich leicht.

Da sich die Abschlussprüfungsarbeiten auf bestimmte Zeiträume im Jahr konzentrieren, ist es außerdem naheliegend, für die hochqualifizierten und hochbezahlten Wirtschaftsprüfer adäquate Zusatztätigkeiten in den anderen Zeiten während des Jahres zu suchen. Die  Zunahme der Managementberatungstätigkeit ist also auch die Folge dieser Auslastungsmaßnahmen.

Leistungsspektrum der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2004‒2015 Quelle: Lünendonk GmbH

In welchen Geschäftsbereichen sehen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in den nächsten zwei bis drei Jahren die größten Chancen für Umsatzzuwächse? Die Bewertung durch die Studienteilnehmer (+2 = sehr große Wachstumschancen bis ‒2 = sehr geringe Wachstumschancen) ergibt folgendes Bild: 33 Prozent erwarten für die kommenden zwei bis drei Jahre  ein »sehr großes« Wachstumspotenzial im Bereich Tax, weitere 58 Prozent ein »großes«. Die übrigen sind neutral (9 Prozent). Der sich ergebende Durchschnittswert aller Teilnehmer von 1,2 steigt, wenn man die Antworten der Top 10 gesondert betrachtet, auf 1,5.

Bei der Rechtsberatung als Zukunftsmarkt rechnen 32 Prozent mit »sehr großem« und 58 Prozent mit »großem« Potenzial. Die übrigen 10 Prozent sehen das Thema neutral. Der Durchschnittswert von 1,2 wird deutlich überschritten, wenn man nur die Top 10 betrachtet (1,6).

An Business Consulting knüpfen 31 Prozent »sehr große« und 51 Prozent »große« Erwartungen als Zukunftsthema. Allerdings sehen 15 Prozent dieses Geschäftsfeld neutral und 3 Prozent verbinden damit »eher geringe« Wachstumschancen. Auch hier steigt der Durchschnittswert (1,1) deutlich an, wenn man die Top 10 isoliert betrachtet (1,3).

An das Thema Audit haben deutlich weniger Teilnehmer große Zukunftserwartungen. Nur 10 Prozent sehen hier »sehr große« und 38 Prozent »große« Umsatzsteigerungschancen in den nächsten zwei bis drei Jahren. 7 Prozent bewerten das Potenzial als »eher gering« und 2 Prozent sogar als »sehr gering«. Zusammen mit der hohen Zahl (43 Prozent) von neutralen Stimmen ergibt dies einen Durchschnittswert von 0,5, der von den Top 10 (0,6) noch übertroffen wird.

Marktsektoren

Die von Lünendonk analysierten WP-Gesellschaften erzielen mehr als ein Drittel ihrer Umsätze mit Industrieunternehmen, wovon besonders der Maschinenbau (7,7 Prozent), die Automobilindustrie (7,6 Prozent), die Konsumgüterindustrie (4,5 Prozent) und die Elektrotechnische Industrie (3,0 Prozent) bedeutende Anteile haben.  Neben Chemie- und Pharma-Industrie (1,9 Prozent) und Luft-und Raumfahrt-Industrie (0,4 Prozent) ist vor allem die »Sonstige  Industrie« mit 10,9 Prozent ein wichtiger Klient der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland.

‍Marktsektoren der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften  in Deutschland 2015 (Angaben in Prozent) Quelle: Lünendonk GmbH

Der Handel hat mit 15,8 Prozent Anteil ebenso einen hohen Anteil am Umsatz wie die Immobilienwirtschaft mit 9,2 Prozent. Mit relativ hohen Anteilen folgen die Behörden/Öffentlicher Dienst (6,4 Prozent), das Gesundheitswesen (5,5 Prozent), Verkehr/Logistik (3,7 Prozent) und Energie (3,3 Prozent). Alle übrigen Marktsektoren liegen mit ihren jeweiligen Anteilen unterhalb von 3 Prozent. Nur die Sammelposition »Sonstige Dienstleistungen« steht für 12,2 Prozent der  Umsätze der an der Befragung teilnehmenden Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften.

Die Gewichtung der Anteile der Marktsektoren mit den jeweiligen Umsätzen zeigt im Vergleich mit den einfachen Mittelwerten, dass sich zum Beispiel bei Banken der gewichtete Umsatzanteil mit 11,9 Prozent um ein Mehrfaches vom einfachen Mittelwert unterscheidet (2,7 Prozent). Das gilt, wenn auch nicht so ausgeprägt, auch für die Maschinenbau-Industrie (11,0 Prozent beziehungsweise 7,7 Prozent), das Gesundheitswesen (8,3 Prozent  beziehungsweise 5,5 Prozent), die Konsumgüter-Industrie (7,4 Prozent beziehungsweise 4,5 Prozent) und für Telekommunikation/IT (5,7 Prozent beziehungsweise 2,4 Prozent).

Die Unterschiede weisen darauf hin, dass die Branchen mit deutlich höheren gewichteten Anteilen überproportional von umsatzstärkeren WP-Gesellschaften genannt wurden. Umgekehrt ist es zum Beispiel beim Handel (11,1 Prozent beziehungsweise 15,8 Prozent), bei der Immobilien-Wirtschaft (5,5 Prozent beziehungsweise 9,2 Prozent) oder bei  der Automobilindustrie (3,1 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent), wo die gewichteten Umsatzanteile deutlich unter den einfachen Anteilen liegen, das heißt dass diese Branchen überwiegend bei umsatzschwächeren WP-Gesellschaften Kunden sind.

Restriktionen

Welche Restriktionen behindern die WP-Gesellschaften bei der Entwicklung und beim Erfolg ihrer Unternehmen? Lünendonk ließ die Teilnehmer der Befragung eine Reihe von Faktoren anhand einer Skala (von +2 = sehr starke Behinderung bis ‒2 = gar keine Behinderung) bewerten. So ergeben sich Mittelwerte zwischen + 2 und ‒2. Mit dem Durchschnittswert 1,0 lag 2015 der Faktor »Niedrige Marktpreise/Honorare« wie seit Jahren als Behinderung an der Spitze. Kontinuierlich angestiegen in der Gravität ist die Restriktion »Mangel an Fachkräften«, die 2015 ebenfalls den Durchschnittswert 1,0 erreicht. Nur noch die »Hohen Personalkosten« (0,2) erreichen inzwischen eine durchschnittliche Bewertung, die eine Behinderung anzeigt, die übrigen sechs vorgegebenen denkbaren Restriktionsfaktoren sind im Durchschnitt alle negativ bewertet, das heißt, dass sie aktuell sehr geringe oder gar keine Behinderung für die Entwicklung und den Erfolg der befragten WP-Gesellschaften darstellen.

Der Faktor »Aktuelle wirtschaftliche Situation«, der wegen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2009 (0,8) und 2010 (0,5) noch deutlich als Restriktion empfunden wurde, ist inzwischen auf ‒0,6 zurückgefallen. Die wenigsten Sorgen bereiten den WP-Gesellschaftern im Durchschnitt seit Jahren der »Wettbewerb durch Inhouse Consulting« (‒1,1) und »Fehlende eigene Internationalität« (‒1,0).

Pro-Kopf-Umsätze

Zur Ermittlung der Kennzahl »Pro-Kopf-Umsatz« wird der Gesamtumsatz eines Unternehmens durch die Gesamtzahl seiner Mitarbeiter geteilt, es werden also nicht nur die operativ tätigen Mitarbeiter, sondern auch der Overhead einbezogen. So bietet diese Kennzahl die Möglichkeit, die Eigenleistungstiefe, aber auch die Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen zu vergleichen. Diese Umsätze pro Kopf weisen zwischen den teilnehmenden WP-Gesellschaften beträchtliche Unterschiede auf. Der für 2015 errechnete maximale Pro-Kopf-Umsatz beträgt 238.000 Euro, der minimale 67.000 Euro. Trotz dieser Extremwerte liegen der einfache arithmetische Mittelwert (113.000 Euro) und der Zentralwert/Median (104.000 Euro) nicht sehr weit auseinander, was darauf schließen lässt, dass sich in dieser Größenordnung der »branchenübliche« Pro-Kopf-Umsatz bewegt.

Weiteren Aufschluss gibt die Analyse nach Unternehmensgrößen-Klassen. Hier liegen die Big Four mit 162.000 Euro an der Spitze vor den Top 10 (141.00 Euro) und den Top 25 (121.000 Euro). Nimmt man alle rund 74 an der Befragung beteiligten WP-Gesellschaften zusammen, so ergibt sich ein Pro-Kopf-Umsatz von durchschnittlich 113.000 Euro.

Unterschiede bei den Pro-Kopf-Umsätzen können verschiede Ursachen haben. Der wichtigste Grund sind wahrscheinlich Unterschiede in den Leistungsspektren. So wirkt sich wegen der unterschiedlichen Honorarhöhen zum Beispiel aus, ob die WP-Gesellschaft ihren geschäftlichen Schwerpunkt auf Audit oder Tax oder Legal oder Consultancy hat. Dabei kann auch davon ausgegangen werden, dass große WP-Gesellschaften auch höhere Honorare verlangen und für Großunternehmen tätig sind.

Grundsätzlich sagt der Pro-Kopf-Umsatz aber auch etwas über die Produktivität des betreffenden Unternehmens aus, was sich besonders bei einem Vergleich von mehreren Jahren zeigt.

Netzwerke und Kooperationen

Eine Besonderheit des Marktes für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung  sind Netzwerke und Allianzen von und mit anderen Branchenteilnehmern. Für die mittelgroßen und kleineren WP-Gesellschaften können sie einen Ausgleich im Wettbewerb mit den großen, insbesondere den großen multinational aufgestellten Wettbewerbern schaffen.

Die wichtigsten Gründe für solche Kooperationen und Netzwerke sind nach Auskunft der betreffenden Gesellschaften der »Erfahrungs- und Wissensaustausch«, die »Angebotserweiterung/Präsenz«, die »Spezialisierung der Partner« und die »Qualität der Leistung« zu steigern.

Die 16 in Deutschland tätigen Netzwerke beziehungsweise Allianzen mit unabhängigen Mitgliedern, die an der Studie beteiligt waren, erzielten 2015 einen Umsatz in Deutschland in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und beschäftigten 14.725 Mitarbeiter. Davon entfallen auf die Top 10 von ihnen zusammen 1,3 Milliarden Euro und 12.152 Mitarbeiter.

‍Behinderungsfaktoren bezüglich der Entwicklung und des Erfolgs  des Unternehmens (Angaben in Prozent) Quelle: Lünendonk GmbH

Die Steigerung der Umsätze der 16 Netzwerke machte 2015 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 8,3 Prozent aus, der Median der Umsatzzuwächse betrug jedoch nur 6,2 Prozent, der Mittelwert ist durch das extreme Wachstum eines Unternehmens überhöht. Für die Zeit bis 2020 prognostizieren die betreffenden Studienteilnehmer ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von zirka 4,6 Prozent. Damit sind sie etwas pessimistischer als die einzelnen, selbständigen WP-Gesellschaften (5,3 Prozent).

Mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) ihrer Umsätze erwirtschaften die Netzwerke im Durchschnitt mit Steuerberatung (Tax), einschl. Steuerdeklaration und Buchhaltung. Ein knappes Drittel (28,4 Prozent) entfällt auf Wirtschaftsprüfung (Audit), einschließlich wirtschaftsprüfungsnaher Beratung. Rechtsberatung (Legal) tragen mit 10,9 Prozent und Advisory (Corporate Finance & Business Consulting) mit 5,0 Prozent zum Umsatz bei.

Auch für die nächsten zwei bis drei Jahre sehen die Netzwerksgesellschaften im Geschäftsfeld Tax die deutlich größten Wachstumschancen vor Legal, Corporate Finance und Business Consulting. Die geringsten Wachstumserwartungen haben auch die Netzwerke an das Geschäftsfeld Audit.

Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG)

Die am 16. Juni 2014 in Kraft getretene EU-Reform der Abschlussprüfung hatte in der Folge zu ausführlichen Diskussionen geführt. Die neuen Regelungen sollten bessere Qualität für die Abschlussprüfungen, mehr Offenheit und Transparenz auf dem Markt für Abschlussprüfungen und Unabhängigkeit prüfungsfremder Leistungen bringen. Nachdem diese Regelungen gegenüber dem Grünbuch von EU-Kommissar Michael Barnier (30. November 2011) bereits deutlich milder ausgefallen waren, hat auch die Behandlung im Deutschen Bundestag zur Umsetzung der EU-Richtlinie eher Abschwächungen gebracht. Trotzdem bezeichnete die Wirtschaftsprüferkammer das am 3. Dezember 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz in ihrer Pressemitteilung vom 4. Dezember 2015 als »die größte Reform der Aufsicht über Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer in Deutschland seit Jahrzehnten. «Die Kritik der WPK am Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG), das am 5. April 2016 im Bundesgesetzblatt N.14 unter dem Titel »Gesetz zur Umsetzung der aufsichts- und berufsrechtlichen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz – APAReG)« veröffentlicht wurde, fällt dennoch recht zurückhaltend und formal aus.

Lünendonk hat die Teilnehmer an der Studie im Frühjahr 2016 gefragt, was sie persönlich für ihr Unternehmen von der Zukunft und den neuen Regelungen erwarten. 88 Prozent waren der Meinung, dass »die Zukunft herausfordernd« sein werde, man »aber gut aufgestellt« sei. Allerdings bekannten aber auch 7 Prozent, dass sie »gemischte Gefühle« hätten, 5 Prozent aber meinten, sie seien »sehr optimistisch« da »es der Branche gut gehe«.

Die wichtigsten Prinzipien der Geschäftstätigkeit

Die Lünendonk®-Studie gibt Aufschluss darüber, wie die Unternehmen ihre Zukunft angesichts der neuen Regelungen  des APAReG und AReG einschätzen; © firstpentuer / thinkstock

Welchen Grundregeln folgen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften bei der Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit? Anhand der Bewertung einiger Kernaussagen sollten die Tendenzen erkundet werden (+2 = trifft voll und ganz zu bis ‒2 = trifft nicht zu).

Der These »Wir setzen auf Multidisziplinarität, weil die Mandanten  eine integrierte  Beratung einfordern« stimmen 70 Prozent »voll« und 26 Prozent »eher« zu. Die restlichen 5 Prozent verhalten sich neutral. Der Durchschnittswert von 1,7 wird – nicht unerwartet − von den Top 10 (1,9) übertroffen.

Wesentlich zurückhaltender sind die  Unternehmen bei der These »Die Management-/Unternehmensberatung ist ein  wesentlicher Teil unserer Tätigkeit«. Nur 16 Prozent halten dieses Themenfeld für ihr eigenes Unternehmen für unverzichtbar, 37 Prozent aber immerhin für wichtig, allerdings stehen 47 Prozent diesem Themenfeld ablehnend oder neutral  gegenüber. Die Durchschnittswerte aller (0,4) und der Top 10 (0,9) zeigen, dass diese These noch am ehesten von den großen Gesellschaften gestützt wird.

Im leicht positiven Bereich liegt die  Bewertung der These »Wir setzen auf Kooperationen mit Rechtsanwaltskanzleien« (0,3). Weitere sieben Thesen ergeben negative Zustimmungswerte, wobei die Ablehnung der These »Die Konzentration auf die Wirtschaftsprüfung (Jahresabschluss und prüfungsnahe Leistungen) ist unser Weg der Zukunft« mit ‒1,1 (Alle Teilnehmer) und ‒1,0 (Top 10) besonders extrem ausfällt. Kein Teilnehmer sagt, dass er dieser Aussage »voll« und nur 7 Prozent sagen, dass sie ihr »eher« zustimmen können. Überraschend ist auch die geringe Begeisterung für Kooperationen mit Management-/Unternehmensberatungen (‒0,2) und IT-Beratungen (‒0,2), die erwartungsgemäß bei den Top 10 (‒0,9 beziehungsweise ‒0,4) noch deutlicher ausfällt.

Zukunftserwartungen

Nach den größten Herausforderungen in den nächsten zwei bis drei Jahren befragt, werden »Erschwerte Rekrutierung von qualifiziertem Personal« und »Erhöhter Preiswettbewerb« am häufigsten genannt. Gewisse Sorgen, wenn auch geringere, bereiten die »Akquisition von neuen Mandanten«, die »Commoditisierung von Services«, »Zunehmende Digitalisierung« und »Sicherung der bestehenden Mandantenstruktur«.

Keine Probleme erwarten die befragten WP-Gesellschaften durch die »Wirtschaftliche Entwicklung in Europa«, durch »Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland« und durch »Internationalisierung«.

Bezüglich des zukünftigen Marktwachstums rechnen die Unternehmen ziemlich einheitlich bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von knapp unter 3 Prozent. Ihr Unternehmenswachstum wollen sie zumeist durch Entwicklung der eigenen Mitarbeiter, aber auch durch Integration neuer Partner und Teams beziehungsweise durch die Integration einer akquirierten Gesellschaft bewerkstelligen.

Dr. Heinz Streicher  

ist Principal der Lünendonk & Hossenfelder GmbH.  Der Diplom-Volkswirt und Dr. rer. pol. ist seit 1990 zudem selbstständiger Unternehmensberater für Marketing und Management in der Hightech-und Dienstleistungsbranche.

Ali Deveci 

Diplom-Kaufmann (FH), ist seit 2012 bei der Lünendonk & Hossenfelder GmbH und betreut als Manager Organisation & IT Marktforschungs- und Beratungsprojekte der Märkte Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sowie Zeitarbeit und Personaldienstleistungen.

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